Die Jagd nach Adidas Lady W

Zunächst möchte ich erwähnen, dass ich noch nie in meinem Leben eine Modezeitschrift selbst gekauft habe. Das blieb mir erspart, da meine Mami, die übrigens viel modemutiger und stilsicherer ist als ich, immer alle aktuellen Exemplare von Vogue bis InStyle zu Hause hat.

Die lese ich (meist auf der Toilette) von hinten bis vorne durch und denk mir uh, ah, ih, ganz schick und dann entdecke ich ihn: Den Turnschuh meiner Träume. Ein Schuh den schon meine Mutter in den 80ern besaß und hoch gelobt hat. Ein zeitloses Original. Als Angabe gibt es ein mageres “Sneaker von Adidas Originals, c.a.100€”.

So begann ich meine Recherche im Internet. Zunächst hab ich mich durch die, nebenbei bemerkt sehr unübersichtliche, adidas Homepage gekämpft, ohne Erfolg. Auch in sämtlichen anderen Onlineshops, die Adidas Schuhe vertreiben, fand ich nichts. Was nun?

Genau, ich setz mich mal mit der Moderedaktion der Zeitschrift in Verbindung. Das Mädchen am anderen Ende der Leitung hat keine Ahnung,ist dafür sehr nett. Sie verspricht mir, für mich zu recherchieren. Inzwischen finde ich durch Telefonate mit diversen Adidas Originals Stores heraus, dass der Schuh wohl aus der Rod Laver Serie stammt, charakteristisch dafür die gekreuzten Tennisschläger auf der Zunge. Ja, die Serie gibt es, nein, der Schuh den ich beschreibe, von dem hätten sie noch nie gehört und bekämen ihn auch nicht.

Irgendwann beginne ich Telefonkontakt mit der Adidas-Zentrale in Herzogenaurach aufzunehmen. Die können mir nichts genaues sagen, den Schuh finden sie in ihrem Katalog nicht und raten mir eine Verbraucher-e-mail an Adidas zu schicken, telefonisch gehe das nicht und ich könne auch nicht mit den entsprechenden Leuten verbunden werden.

Das mach ich nun und schick auch ein Foto des Schuhs mit und erhalte die Information um welches Modell es sich handelt: Adidas Lady W Dieses Modell wird in keinem einzigen Originals Store in Deutschland verkauft. Bei der Adidas Zentrale kann ich den Schuh nicht kaufen, denn ich bin kein Händler. Adidas gibt mir keine Händlerliste und rät mir den Schuh über einen Originals Händler zu bestellen. Das wiederum funktioniert nicht, da der Einkauf der inzwischen zentralisiert ist und einmal abgeschlossen, kann nichts ausserhalb der Palette bestellt werden.

Wieder mal telefonier ich mit Adidas, die mir nicht besonders viel weiterhelfen und meinen Einwand, man könne den Schuh nicht über einenHändler bestellen zieht auch nicht. Also schreib ich wieder eine etwas angefressene Verbrauchermail. Man nennt mir schließlich ein Geschäft in Dresden, das diesen Schuh bestellt hat. Es hat sogar einen  Onlineshop und tatsächlich: Ich bin am Ende meiner Suche angelangt.

Ich verfasse eine, diesmal dankbare, Verbrauchermail und erwähne noch einmal, dass es etwas ungünstig ist mit einem Schuh zu werben, dem ich eine Woche schnitzeljagdartig auf den Fersen sein muss, der nicht mal auf der Adidashomepage auch nur erwähnt wird, um dann festzustellen, dass er in einem einzigen Deutschen Geschäft zu haben ist. (Zumal ich zwischendurch schon glaubte, solch ein Schuh existiere nicht, schließlich beruht die Abbildung aus dem Heft auf einem Foto aus den 80ern.)

In der gleichen Zeitschrift hab ich übrigens einen schicken Badeanzug entdeckt, aber ich möchte nicht noch mal Odysseus spielen…

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